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Transhumanismus vs. Posthumanismus: Der Unterschied einfach erklärt

Zwei Begriffe, die ständig verwechselt werden. Transhumanismus will den Menschen verbessern, Posthumanismus stellt den Menschen als Maßstab infrage. Der Unterschied in fünf Minuten, mit Beispielen und Vertretern.

Markus Lindner6 Min. Lesezeit
Eine menschliche Silhouette steigt eine Treppe hinauf, deren Stufen unten aus DNA-Doppelhelix-Strängen bestehen und oben in leuchtende Platinen-Leiterbahnen übergehen

In Seminararbeiten, Zeitungsartikeln und Talkshows werden die beiden Begriffe munter durcheinandergeworfen. Dabei ist der Unterschied nicht nur akademisch, sondern entscheidet darüber, worüber man überhaupt streitet. Hier die saubere Trennung.

Die Kurzfassung

Transhumanismus will den Menschen mit Technik verbessern: länger leben, klüger werden, weniger leiden. Er steht in der Tradition von Humanismus und Aufklärung und nimmt den Menschen als Ausgangspunkt, den es weiterzuentwickeln gilt.

Posthumanismus hat zwei Bedeutungen, und das ist die Quelle der Verwirrung:

  1. Im transhumanistischen Sprachgebrauch ist der Posthumane das mögliche Ergebnis eines langen Enhancement-Prozesses: ein Wesen, dessen Fähigkeiten so weit über dem heutigen Menschen liegen, dass die Bezeichnung „Mensch“ fraglich wird.
  2. In den Geisteswissenschaften ist der kritische Posthumanismus eine Denkrichtung, die den Menschen als Mittelpunkt des Denkens grundsätzlich infrage stellt, und zwar unabhängig von jeder Technik.

Wer „Posthumanismus“ sagt, sollte also dazusagen, welchen er meint.

Der Unterschied im Detail

Ausgangspunkt

Der Transhumanismus ist ein Kind der Aufklärung. Er glaubt an Vernunft, Fortschritt und die Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu verbessern. Julian Huxley, der den Begriff 1957 prägte, war Evolutionsbiologe und Humanist. Nick Bostrom und Max More, die wichtigsten Theoretiker, argumentieren in dieser Tradition.

Der kritische Posthumanismus ist dagegen ein Kind der Postmoderne. Denkerinnen wie Donna Haraway („A Cyborg Manifesto“, 1985), Rosi Braidotti („The Posthuman“, 2013) und Katherine Hayles kritisieren, dass der westliche Humanismus einen bestimmten Menschen zum Maßstab gemacht hat: männlich, weiß, gesund, rational. Sie wollen diesen Maßstab abbauen und Tiere, Maschinen und Ökosysteme gleichberechtigt mitdenken.

Verhältnis zur Technik

Transhumanisten sehen Technik als Werkzeug zur Verbesserung. Brain-Computer-Interfaces, Gentechnik und Longevity-Forschung sind für sie Mittel zu einem Zweck: ein besseres Leben für den Menschen.

Kritische Posthumanisten interessieren sich für Technik eher als Spiegel. Harawys Cyborg ist keine Vision, die gebaut werden soll, sondern eine Metapher dafür, dass die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine schon immer durchlässig waren. Viele von ihnen sind dem Transhumanismus gegenüber skeptisch, weil er ihrer Ansicht nach den alten Humanismus mit Technik nur verlängert, statt ihn zu überwinden.

Ziel

Der Transhumanist will ein Mensch mit mehr Fähigkeiten sein, oder irgendwann ein Posthumaner im ersten Sinn. Der kritische Posthumanist will ein anderes Denken: eines, in dem der Mensch nicht mehr die Krone der Schöpfung ist, sondern ein Knoten in einem Netz aus Lebewesen und Dingen.

Die Unterschiede zum Merken

  • Herkunft: Transhumanismus kommt aus Aufklärung und Humanismus. Kritischer Posthumanismus kommt aus Postmoderne und Kulturtheorie.
  • Blick auf den Menschen: Für Transhumanisten ein verbesserungswürdiger Ausgangspunkt. Für Posthumanisten ein fragwürdiger Maßstab.
  • Technik ist: im Transhumanismus ein Werkzeug, im Posthumanismus ein Spiegel und eine Metapher.
  • Ziel: Transhumanismus will mehr Fähigkeiten und ein längeres Leben. Posthumanismus will ein anderes Denken über Mensch und Welt.
  • Vertreter: Huxley, More, Bostrom, Kurzweil und Sorgner auf der einen Seite. Haraway, Braidotti, Hayles und Wolfe auf der anderen.
  • Typische Frage: „Wie werden wir besser?“ gegen „Wer sagt, was besser ist?“

Wo sich beide treffen

Trotz der Unterschiede gibt es Überschneidungen, und gerade im deutschsprachigen Raum arbeiten einige Denker an der Schnittstelle. Stefan Lorenz Sorgner vertritt einen „schwachen“ Nietzscheanischen Transhumanismus, der Pluralismus und Perspektivismus ernst nimmt. Janina Loh hat mit „Trans- und Posthumanismus zur Einführung“ (2018) das deutschsprachige Standardwerk geschrieben, das beide Positionen sauber trennt und einen dritten Weg, den technologischen Posthumanismus, dazwischen einordnet.

Gemeinsam ist beiden Lagern: Sie halten den Menschen, wie er heute ist, nicht für den Endpunkt. Sie streiten nur darüber, ob der Weg weiter über Technik führt oder über ein anderes Selbstverständnis.

Warum der Unterschied praktisch zählt

Wer gegen „den Posthumanismus“ wettert, weil er Gehirn-Implantate ablehnt, meint eigentlich Transhumanismus. Wer Haraway zitiert, um Neuralink zu verteidigen, hat sie nicht gelesen. Und wer in einer Diskussion die Begriffe sauber trennt, gewinnt sie meistens.

Auf dieser Plattform geht es, wenig überraschend, um Transhumanismus im engen Sinn: die reale Verschmelzung von Mensch und Technik. Die Grundlagen dazu, von der Definition bis zur Kritik, stehen auf der Transhumanismus-Seite. Die Begriffe Posthumanismus, Enhancement und Cyborg erklären wir kompakt im Glossar.

  • Transhumanismus
  • Posthumanismus
  • Grundlagen

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